Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Leitung: Chefarzt Prof. Dr. Karl H. Beine

Die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik richtet sich mit ihrem Angebot an alle Menschen aus der Region Hamm, die aufgrund einer psychischen Erkrankung professionelle Hilfe benötigen. Wenn Sie als Erkrankter bereit sind, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, gehen Sie den ersten Schritt, um Ihre aktuelle Lebenssituation zu verbessern. Wir bieten Ihnen dabei die bestmögliche Unterstützung an und suchen gemeinsam mit Ihnen neue Wege.

Unsere Klinik gehört zum St. Marien-Hospital, einem Allgemeinkrankenhaus mit zehn medizinischen Fachabteilungen. Behandelt werden z. B. Menschen mit Angststörungen, Depressionen, Psychosen, suizidalen Krisen, Suchterkrankungen und psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter.   Insbesondere Menschen, die gleichzeitig körperlich und psychisch erkrankt sind, können wir ganzheitlich versorgen. Wenn ein Patient beispielsweise aufgrund von Herzproblemen auf der kardiologischen Station liegt und psychotherapeutische Unterstützung benötigt, kommt ein Facharzt zu ihm.  Andersherum kann es passieren, dass Patienten, deren psychische Störung wir behandeln, durch neurologische, internistische oder orthopädische Kollegen mit versorgt  werden.

Die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik ist zudem Hochschulklinik der Privaten Universität Witten/Herdecke. Damit ist sie die einzige Universitätsklinik in Hamm und in der gesamten Kath. St.-Johannes-Gesellschaft Dortmund. Wir bilden Studierende der Medizin im Fach Psychiatrie und Psychotherapie aus und beteiligen uns an der Forschung.

Unser Leistungsspektrum

Suchterkrankungen

Wenn ein Mensch ständig den Drang nach einem bestimmten Suchtmittel verspürt und dieses Bedürfnis nicht mehr kontrollieren kann, dann hat er ein Suchtproblem. Für Betroffene, die unter einer Suchterkrankung leiden, rückt der Wunsch nach einer speziellen Substanz – zum Beispiel Alkohol, Cannabis oder Amphetamine – immer mehr in den Lebensmittelpunkt. Da die Sucht den Alltag dominiert, vernachlässigen sie häufig ihre Pflichten und sozialen Kontakte. Es hilft nicht, die Suchterkrankung zu verleugnen, zu verstecken oder sich zusammenzureißen, um die eigene Funktionstüchtigkeit aufrecht zu erhalten. Suchtkranke brauchen professionelle Hilfe.

Therapie
Bei Süchten konzentrieren wir uns zunächst auf die Entgiftung. Es gibt ein klares Regelwerk, an das sich die Betroffenen halten müssen. Wenn der Patient ernsthaft bemüht ist, ohne Suchtmittel auszukommen, unterstützen wir ihn und versorgen ihn medizinisch so, dass er durch den Entzug keinen Schaden nimmt. Die Begleiterscheinungen können sich auf körperlicher und psychischer Ebene äußern. Manche Patienten laufen Gefahr, ein Delirium zu bekommen. Dann ist ihr Bewusstseinszustand eingeschränkt, sie entwickeln Wahnvorstellungen und verlieren den Kontakt zur Realität. Weitere typische Symptome sind Schwitzen, Zittern, Erbrechen, Herzrasen, bis hin zu Krampfanfällen und lebensbedrohlichen Zuständen, die wir medikamentös und teilweise intensivmedizinisch behandeln müssen.

Ist die akute Phase überstanden, bemühen wir uns, die Beziehung zum Patienten weiter auszubauen und ihn zu motivieren, den Entzug durchzuhalten. Uns ist sehr daran gelegen, dass der Betroffene den typischen Verlauf einer Suchterkrankung kennt und weiß, welche Schäden Suchtmittel anrichten (Psychoedukation). Durch den Konsum von Alkohol oder anderen Suchtmitteln hat der Patient früher kurzfristig Entlastung empfunden. Sorgen und Probleme konnte er auf diese Weise höchstens kurzfristig lösen. Mit unserer Hilfe soll er lernen, innere Konflikte und Spannungen durch Gespräche und Aktivitäten wie Joggen, Tanzen, Singen oder Malen abzubauen.

Angststörungen

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Angst ist grundsätzlich ein urmenschliches Gefühl und schützt uns vor Gefahren. Wenn Ängste jedoch außer Kontrolle geraten und die Lebensqualität einschränken, können sie krankhaft werden. Dann äußern sie sich in Form von Panikattacken, die mit teilweise heftigen körperlichen Beschwerden verbunden sind (zum Beispiel Zittern, Schmerzen in der Brust, Herzrasen, Atemnot, Schwindel). Die Angst kann sich auf bestimmte Situationen oder Begegnungen beziehen, wie etwa Flugangst, Angst vor dem Zahnarzt, vor Menschenansammlungen, Brücken oder Spinnen. Hier spricht man auch von Phobien. Es muss jedoch nicht immer einen speziellen Grund geben, warum Menschen Panikattacken entwickeln.

Therapie
Bei der Therapie von Angststörungen kommen Psychotherapien und Medikamente zum Einsatz. Gerade bei Phobien hat sich die Verhaltenstherapie in Kombination mit Psychopharmaka bewährt. Dabei wird der Betroffene gezielt mit der für ihn angstauslösenden Situation konfrontiert ­– mit zunehmender Dosis. Die Patienten nehmen ebenfalls an den Spezialtherapien teil.

Depressionen

Patienten mit Depressionen sind oftmals innerlich wie versteinert, sie können sich über nichts mehr freuen, lachen und weinen nicht mehr. Wenn die Patienten zu uns in die Klinik kommen, können sie sich darauf verlassen, dass wir uns intensiv darum bemühen, sie zu verstehen: Wir versuchen herauszufinden, warum sich ein Mensch über Jahre in depressiven Stimmungslagen verstrickt hat. Warum empfindet er immer wieder diese traurige Stimmung? Warum ist er so antriebslos und hat jedes Interesse verloren?

Therapie
Zum einen behandeln wir depressive Patienten medikamentös, und zwar ausschließlich mit zugelassenen und bewährten Psychopharmaka. Genauso wichtig ist Psychotherapie. Auch für Menschen mit Depressionen empfehlen wir Spezialtherapien. Die drei Säulen der Therapie – Psychopharmaka, Psychotherapie und Spezialtherapie – stimmen wir genau aufeinander ab und legen für jeden Patienten individuell fest, was er braucht. Die Behandlung bezieht sich strikt auf die Bedürfnisse und die Krankheitslage des Einzelnen. Weiterhin beziehen wir die Angehörigen in den therapeutischen Prozess ein.

Schizophrenie

Ein Mensch, der an einer Schizophrenie erkrankt ist, verhält sich für Außenstehende, die von der Krankheit nichts wissen, merkwürdig. Ein Beispiel: In einer Wohngemeinschaft schiebt ein Mitbewohner ständig seinen Schrank vor die Tür. Die anderen WG-Bewohner wundern sich, weil sie nicht wissen, dass der Betroffene sich bedroht fühlt und sich durch sein Verhalten schützen möchte.

Die Verhaltensweisen, die auffällig erscheinen, sind durch ein komplett verändertes Erleben begründet. Menschen mit Schizophrenie nehmen ihre innere und die äußere Realität anders wahr als Gesunde. Die Wahrnehmungsstörungen äußern sich auf verschiedenen Ebenen: Die Betroffenen sehen, hören, riechen, schmecken spüren und denken anders. Die Krankheit betrifft also den gesamten Menschen. Zudem beobachten wir, dass diese Patienten häufig antriebslos sind und sich zurückziehen. Auf der anderen Seite können sie extrem aktiv sein und überschwängliche Verhaltensweisen zeigen.

Therapie
Wir bemühen uns, eine Beziehung zu dem Betroffenen herzustellen. Das heißt: Wir wollen seine Wahnvorstellungen verstehen. Oftmals hängen diese mit seiner persönlichen Geschichte zusammen – die es aufzuarbeiten gilt. Gleichzeitig behandeln wir die Schizophrenie medikamentös, möglichst mit nur einem Medikament.

Bipolare affektive Störung (manisch-depressive Erkrankung)

Früher bezeichnete man diese Störung als „manisch-depressives Irrsein“. Wenn ein Mensch manisch ist, schwebt er über allen Wolken. Er verausgabt sich in vielerlei Hinsicht. Beispielsweise muss er nicht mehr schlafen, redet wie ein Wasserfall oder gibt viel Geld aus. Kurze Zeit später ist er plötzlich schwer depressiv, bewegt sich nicht, sagt nichts mehr und verfällt in völlige Lethargie. Diese starken Schwankungen zwischen euphorischen und depressiven Phasen zeichnen die bipolare Störung aus.

Therapie
Die drei Säulen der Therapie – Psychopharmaka, Psychotherapie und Spezialtherapie – stimmen wir genau aufeinander ab und legen für jeden Patienten individuell fest, was er braucht. Die Behandlung bezieht sich strikt auf die Bedürfnisse und die Krankheitslage des Einzelnen. Weiterhin beziehen wir die Angehörigen in den therapeutischen Prozess ein.

Belastungs- und Anpassungsstörungen

Menschen, die katastrophale Ereignisse wie Terroranschläge, Flucht, Vergewaltigungen, Operationen, den Tod eines Angehörigen oder Naturkatastrophen miterlebt haben, zeigen verständlicherweise Belastungsreaktionen. Man spricht aber erst von einer akuten Belastungsstörung, wenn eine Person mehrere Symptome über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten zeigt. Das können unter anderem folgende Krankheitszeichen sein:

  • Schlaflosigkeit
  • Flashbacks (Wiedererleben der traumatischen Situation)
  • Feuchte Hände
  • Herzrasen
  • Rückzugsverhalten

Die akute Belastungsreaktion kann sich im Verlauf zu einer posttraumatischen Belastungsstörung ausweiten (PTBS). Dann benötigt der Betroffene unbedingt therapeutische Hilfe.

Therapie
Zum einen behandeln wir die Patienten medikamentös, und zwar ausschließlich mit zugelassenen Psychopharmaka. Zum anderen bieten wir auch bei dieser Patientengruppe psychotherapeutische Hilfe und Spezialtherapien an. Die drei Säulen der Therapie – Psychopharmaka, Psychotherapie und Spezialtherapie – stimmen wir genau aufeinander ab und legen für jeden Patienten individuell fest, was er braucht. Die Behandlung bezieht sich strikt auf die Bedürfnisse und die Krankheitslage des Einzelnen. Weiterhin beziehen wir die Angehörigen in den therapeutischen Prozess ein.

Somatoforme Störungen

Dabei handelt es sich um unklare Schmerzstörungen, die sich nicht hinreichend auf eine organische Erkrankung zurückführen lassen. Grundsätzlich gilt aber: Nicht jeder Schmerzpatient, bei dem körperliche Ursachen erst einmal ausgeschlossen wurden, hat eine psychische Störung. Hier müssen Ärzte und Therapeuten genau hinsehen und den Menschen als Ganzes betrachten. Das gelingt in einem Krankenhaus wie dem St. Marien-Hospital besonders gut, weil unsere psychiatrische Abteilung eng mit den anderen medizinischen Kliniken im Haus zusammenarbeitet.

Persönlichkeitsstörungen

Bei Personen, die unter einer Persönlichkeitsstörung leiden, ist ein spezielles Charaktermerkmal (zum Beispiel Misstrauen, Sauberkeit oder Sparsamkeit) dermaßen stark ausgeprägt, dass daraus Wahnvorstellungen (Paranoia) entstehen. Der auffällige Charakterzug führt dazu, dass der Betroffene selbst, aber auch seine Umgebung darunter leidet und ernsthafte Konflikte daraus resultieren. Der Beginn einer solchen Störung liegt im frühen Jugend- oder Erwachsenenalter. Die Probleme, die sich aus der Erkrankung ergeben, kommen immer in vielen Lebensbereichen zum Vorschein, etwa am Arbeitsplatz, in der Freizeit und in der Familie.

Therapie
Zum einen behandeln wir die Patienten medikamentös, und zwar ausschließlich mit zugelassenen Psychopharmaka. Zum anderen bieten wir auch bei dieser Patientengruppe psychotherapeutische Hilfe und Spezialtherapien an. Die drei Säulen der Therapie – Psychopharmaka, Psychotherapie und Spezialtherapie – stimmen wir genau aufeinander ab und legen für jeden Patienten individuell fest, was er braucht. Die Behandlung bezieht sich strikt auf die Bedürfnisse und die Krankheitslage des Einzelnen. Weiterhin beziehen wir die Angehörigen in den therapeutischen Prozess ein.

Psychische Erkrankungen im Alter (Depression, suizidale Krisen, Demenz)

Bei älteren Menschen, die unter einer Demenz leiden, müssen wir zunächst beurteilen, in welcher Abteilung des St. Marien-Hospitals wir ihnen am besten weiterhelfen können. Das kann entweder unsere Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik sein oder die Klinik für Geriatrie. Wenn ein Demenzpatient vorwiegend psychische Krankheitszeichen zeigt – er zum Beispiel depressiv ist, Wahngedanken hat, unruhig oder nervös ist – versorgen wir ihn bei uns in der Abteilung. Liegen jedoch vorrangig somatische Symptome wie Herzrhythmusstörungen oder Magengeschwüre vor, kümmert sich das Behandlungsteam in der Geriatrie um ihn.

Therapie
Auch bei unseren älteren Patienten kommen die drei Säulen der Therapie – Psychopharmaka, Psychotherapie und Spezialtherapie – zum Einsatz. Dabei legen wir für jeden Patienten individuell fest, was er braucht. Die Behandlung bezieht sich strikt auf die Bedürfnisse und die Krankheitslage des Einzelnen. Weiterhin beziehen wir die Angehörigen eng in den Prozess ein.

Bei älteren Patienten mit psychischen Störungen ist es manchmal besser, wenn wir sie zu Hause in ihrem gewohnten Umfeld behandeln (Home Treatment). Es besteht die Möglichkeit, dass einer unserer Ärzte, Pfleger oder Sozialarbeiter regelmäßig vorbeikommt – je nachdem, welche Behandlung erforderlich ist. Auf diese Weise können wir auch den Angehörigen vor Ort helfen, die durch die häusliche Pflege oftmals an ihre körperlichen und psychischen Grenzen kommen. Hier gibt es Wege, sie zu entlasten und die Situation vor Ort für alle Beteiligten zu verbessern.

Darüber hinaus kooperieren wir eng mit Seniorenheimen, ambulanten Pflegediensten und Hausärzten. Für den Fall, dass ein Patient nicht mehr zu Hause gepflegt und versorgt werden kann, suchen unsere Sozialarbeiter gemeinsam mit den Angehörigen nach Lösungen, wie es weitergehen kann.

Chefarzt

Prof. Dr. Karl H. Beine

Prof. Dr. Karl H. Beine
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