Kardiologie, Intensivmedizin und Allgemeine Innere Medizin

Leitung: Prof. Dr. med. Dirk Böcker und Prof. Dr. med. Klaus Pethig

In unserer Klinik betreuen wir Patienten mit Herz- oder Kreislauferkrankungen. Dazu gehören insbesondere Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit, KHK), akuter Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen oder Herzklappenfehler. Gerade bei einem akuten Herzinfarkt ist es wichtig, keine Zeit zu verlieren: Durch schnelles Handeln lässt sich viel Herzmuskelgewebe vor dem Absterben retten. Auf Fälle wie diese sind wir rund um die Uhr bestens vorbereitet – sowohl von der fachlichen Kompetenz unseres Teams als auch von der Ausstattung. An die Kardiologie angegliedert ist die internistische Intensivstation, auf der wir Patienten aller akuten internistischen Krankheitsbilder versorgen, zum Beispiel bei Nierenversagen oder einer schweren Lungenentzündung.

Als Kardiologen und Intensivmediziner ist es uns besonders wichtig, Sie umfassend und verständlich über Ihre Erkrankung aufzuklären und Sie in die Therapieentscheidung miteinzubeziehen.

Unser Leistungsspektrum

Akuter Herzinfarkt

Bei einem akuten Herzinfarkt ist eines der Herzkranzgefäße (Koronararterien, Koronarien), die das Herz mit nähr- und sauerstoffreichem Blut versorgen, plötzlich durch die Bildung eines Blutgerinnsels verschlossen. Dadurch wird das Herz nicht mehr ausreichend durchblutet. Schon nach kurzer Zeit kann Herzmuskelgewebe absterben – das ist lebensgefährlich.

Symptome

  • Plötzliche, starke Schmerzen auf Höhe des Brustbeins, die ausstrahlen können, zum Beispiel in den linken Arm oder in die Schultern
  • Engegefühl/Druck im Bereich des Herzens
  • Schweißausbrüche
  • Übelkeit, Erbrechen

Schmerzen im Oberbauch
Bei Frauen kann sich ein Herzinfarkt anders äußern als bei Männern: Sie verspüren weniger Schmerzen, sondern oft eher unklare Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und starke Kurzatmigkeit.

Ursachen
Häufigste Ursache für einen Herzinfarkt ist eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose) in den Herzkranzgefäßen. Dabei werden die Gefäße durch Ablagerungen aus Fett, Kalk und Bindegewebe immer enger. Schließlich wird das Gefäß durch ein Blutgerinnsel verschlossen, der Herzinfarkt entsteht. Risikofaktoren für Arterienverkalkung sind zum Beispiel Rauchen, ein erhöhtes "schlechtes" Cholesterin, Bluthochdruck, und zu hohe Blutzuckerwerte (Diabetes mellitus).

Diagnostik und Therapie

  • Zur Diagnose führen wir unter anderem ein Elektrokardiogramm (EKG) durch, bei dem die Herzströme gemessen werden. Weiterhin nehmen wir Blut ab und prüfen es im Labor auf Troponin, das einen Herzinfarkt anzeigen kann.
  • Hat der Patient tatsächlich einen Herzinfarkt, folgt in der Regel eine Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiografie) in unserem Herzkatheterlabor.
  • Oberstes Ziel bei der Akutversorgung eines Herzinfarkts ist es, das verschlossene Gefäß schnell zu öffnen. Im Herzkatheterlabor dehnen unsere erfahrenen Kardiologen die verengte Stelle mit einem Ballonkatheter auf und setzen gegebenenfalls ein kleines Röhrchen (Stent) ein. So kann das Blut anschließend wieder ungehindert zum Herzen fließen.
  • Im Anschluss überwachen wir den Patienten für einige Tage auf der Intensivstation, um mögliche Komplikationen früh zu entdecken. Nach einem gewissen Zeitraum wird der Patient nach Hause und/oder in die Rehabilitationsbehandlung entlassen.
Koronare Herzkrankheit (KHK)

Im Unterschied zu einem akuten Herzinfarkt, der durch den plötzlichen Verschluss eines Gefäßes auftritt, werden die Herzkranzgefäße bei der koronaren Herzkrankheit allmählich immer enger. Die Folge: Das Herz wird nicht ausreichend durchblutet. Dies führt zu Brustschmerzen (Angina pectoris), die sich etwa bei Belastung, Aufregung oder Kälte zeigen. Im schlimmsten Fall kann die koronare Herzkrankheit zu einem plötzlichen Herztod führen.

Symptome
Symptome einer koronaren Herzkrankheit können sein:

  • Brustschmerzen (Angina pectoris), Engegefühl
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzinfarkt


Ursachen
Die Ursache der koronaren Herzkrankheit ist häufig eine Verkalkung der Arterienwand (Atherosklerose). Risikofaktoren dafür sind etwa genetische Veranlagung, Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes oder Übergewicht.


Diagnostik und Therapie
Um das individuelle Risiko eines Patienten besser einschätzen zu können, sind folgende Untersuchungen möglich:

  • Belastungs-EKG
  • MRT-Bildgebung oder CT der Koronargefäße
  • Myokardszintigrafie
  • Ultraschall des Herzens (Echokardiografie)


Bei Patienten mit einer stabilen Angina Pectoris (Symptome treten bei Belastung auf) können wir auch eine Herzkatheteruntersuchung durchführen. Im Anschluss legen wir die weiteren Behandlungsschritte für jeden Patienten individuell fest, etwa:

  • Medikamentöse Behandlung
  • Aufweitung von Gefäßen (PTCA)
  • Selten: herzchirurgische Versorgung in Zusammenarbeit mit anderen Krankenhäusern
Herzklappenfehler

In der linken und rechten Herzhälfte sitzen jeweils zwei Herzklappen. Die Herzklappen öffnen sich mit dem Blutstrom und verhindern, dass das Blut wieder zurückfließt. Bei einem Herzklappenfehler schließt eine Klappe nicht mehr oder ist verengt.

Symptome
Herzklappenfehler können zu vielerlei Symptomen führen. Am häufigsten sind Luftnot und eine verminderte Leistungsfähigkeit.

Ursachen
Die hauptsächlichen Ursachen für einen Herzklappenfehler sind Entzündungen der Herzklappe oder Verkalkungen. Ein Herzklappenfehler kann auch als Folge eines Herzinfarkts auftreten.

Diagnostik und Therapie
Um den Herzklappenfehler darzustellen, setzen wir auf die Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie). Im Anschluss erarbeiten wir für jeden Patienten eine auf ihn zugeschnittene Therapiestrategie. Hier bestehen folgende Möglichkeiten:

  • Individuell angepasste medikamentöse Therapie
  • Operative Eingriffe an der Herzklappe, die zum Teil in Zusammenarbeit mit umliegenden Kardiologien oder Herzchirurgien durchgeführt werden, beispielsweise Ersatz einer Herzklappe
Akute und chronische Herzschwäche

Bei einer akuten Herzschwäche (Herzinsuffizienz) pumpt das Herz nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper, der Blutkreislauf ist gestört. Die chronische Herzschwäche gehört zu den am schnellsten zunehmenden Herzerkrankungen in unserer alternden Gesellschaft und entwickelt sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten oder Jahren.

Symptome

  • Bei einer akuten Herzschwäche verschlechtert sich der Zustand des Patienten innerhalb von kurzer Zeit. Mögliche Symptome sind etwa Atemnot, Husten und Schwitzen.
  • Patienten mit einer chronischen Herzschwäche bemerken, dass ihre Leistungsfähigkeit allmählich weniger wird und sie kurzatmiger sind. Hinzu kommen Wassereinlagerungen, beispielsweise in den Beinen.


Ursachen

  • Ursachen einer akuten Herzschwäche können unter anderem ein Herzinfarkt, eine Herzklappenerkrankung, die koronare Herzkrankheit oder Herzrhythmusstörungen sein.
  • Eine chronische Herzschwäche betrifft viele ältere Menschen. Zu den häufigsten Ursachen zählen Bluthochdruck und die koronare Herzkrankheit.


Therapie
Akute Herzschwäche: Wir müssen zum einen die Ursache der Herzschwäche ermitteln und zum anderen die fehlende Herzleistung vorübergehend überbrücken. Dafür setzen  wir im Extremfall in unserem Herzkatheterlabor auch ein Pumpsystem in die linke Herzkammer, das für einige Tage die Arbeit der linken Hauptkammer fast vollständig übernehmen kann. Das gibt uns die Möglichkeit, unter stabilen Bedingungen eine Therapie für die Erkrankung einzuleiten, die zu der Herzschwäche geführt hat – zum Beispiel ein Herzinfarkt oder eine Herzklappenerkrankung.

Chronische Herzschwäche: Die Behandlung der chronischen Herzschwäche zählt zu unseren Schwerpunkten. Bei der Therapie arbeiten die verschiedenen Spezialisten unserer Abteilung eng zusammen. Je nach Auslöser der Herzschwäche sind mögliche Maßnahmen:

  • Individuelle medikamentöse Therapie
  • Spezielle antiarrhythmische Behandlung (Arrhythmien = Herzrhythmusstörungen), zum Beispiel durch Katheterablation
  • Implantatbasierte Behandlung, zum Beispiel durch kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) bei Patienten mit fortgeschrittener Herzschwäche
  • Erweiterung der Herzkranzgefäße während einer Herzkatheteruntersuchung
    Reparatur oder Ersatz einer Herzklappe
Plötzlicher Herztod

In Deutschland sterben pro Jahr etwa 80.000 Menschen an einem plötzlichen Herztod, häufig im Rahmen eines akuten Herzinfarktes. Eine weitere Ursache sind unvermittelt auftretende, lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen. Bei herzkranken Patienten ist es darum besonders wichtig, das persönliche Risiko einzuschätzen. Dazu nutzen wir verschiedene EKG-Verfahren, Bildgebungsverfahren und in einigen Fällen auch invasive Untersuchungen.

Um einem plötzlichen Herztod vorzubeugen, arbeiten die Spezialisten aus unserer Abteilung Hand in Hand. So kann es nötig sein, die vorhandenen Durchblutungsstörungen des Patienten zu beheben und dafür zu sorgen, dass keine plötzlichen Herzrhythmusstörungen auftreten – letzteres entweder durch Katheterablation oder indem wir vorbeugend ein Implantat einsetzen.

Herzrhythmusstörungen

Wenn der Herzschlag ständig oder vorübergehend aus dem Takt gerät, spricht man von Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien): Wir unterscheiden dabei zwischen einer zu langsamen Herzfrequenz (Bradykardie), einer zu schnellen Herzfrequenz (Tachykardie) und einem unregelmäßigen Herzschlag.

Symptome
Herzrhythmusstörungen können sich je nach Ausprägung unterschiedlich äußern, etwa durch:

  • Herzrasen
  • Zunehmende Belastungsschwäche
  • Schwindel
  • Ohnmachtsanfälle
  • Engegefühl in der Brust (Angina pectoris)


Ursachen
Herzrhythmusstörungen können zum einen begleitend zu vielen anderen Herzerkrankungen auftreten. Zum anderen können sie ein Auslöser dafür sein, dass sich eine bestehende Herzerkrankung verschlechtert. Herzrhythmusstörungen sind aber auch alleinstehend bei einem ansonsten gesunden Menschen möglich, beispielsweise durch Aufregung oder Alkoholkonsum.

Diagnostik und Therapie
Im St. Marien-Hospital behandeln wir sämtliche Formen von Herzrhythmusstörungen: Vom häufigen Vorhofflimmern über die oft anfallsartigen supraventikulären Tachykardien (der schnellere Herzschlag hat den Ursprung in den Herzvorhöfen) bis hin zu komplexen oder seltenen Kammerrhythmusstörungen. Unser erfahrenes Ärzte- und Pflegeteam nimmt täglich Eingriffe vor, um Herzrhythmusstörungen zu reduzieren.

Um zunächst die Art der Herzrhythmusstörungen festzustellen, führen wir unterschiedliche EKG-Untersuchungen durch: Ruhe-EKG, Belastungs-EKG und Langzeit-EKG. Bei bestimmten Herzrhythmusstörungen – vor allem bei den schnellen und unregelmäßigen – kann eine elektrophysiologische Herzkatheteruntersuchung sinnvoll sein, um den Entstehungsort genau aufzuspüren.

Manchmal müssen wir Herzrhythmusstörungen provozieren, um sie genauer untersuchen zu können. Bei der elektrophysiologischen Herzkatheteruntersuchung schieben wir einen Katheter bis zum Herzen vor, wo er bestimmte Signale abgibt. Die Reaktion des Herzens messen wir dann mit unserem hochmodernen 3D-Mapping-System, das uns dreidimensionale Bilder liefert – ganz ohne Röntgenstrahlen. So können wir über den Katheter eine Art EKG direkt aus dem Herzen ableiten.

Wenn wir eine Herzrhythmusstörung feststellen, die auf bestimmte Bereiche des Herzens zurückgeht, ist es möglich, dieses Gewebe im Rahmen der Untersuchung direkt zu veröden (Katheterablation) – ein besonderer Schwerpunkt unserer Abteilung. So beseitigen wir die Neigung zu Herzrhythmusstörungen oft vollständig und verbessern damit die Lebensqualität, ohne dass der Patient dauerhaft Medikamente einnehmen muss. Die Katheterablation löst die medikamentöse Behandlung daher auch zunehmend ab. In einigen Fällen kann es jedoch notwendig werden, einen Herzschrittmacher oder einen Defibrillator einzusetzen.

Vorhofflimmern

Das Vorhofflimmern ist die am häufigsten auftretende Herzrhythmusstörung, insbesondere bei älteren Menschen. Genau wie die Herzschwäche wird auch das Vorhofflimmern mit unserer alternden Gesellschaft in den kommenden Jahren zunehmen.

Symptome
Ein typisches Anzeichen von Vorhofflimmern ist ein sehr unregelmäßiger Herzschlag (Puls). Weitere mögliche Symptome sind Herzstolpern, Atemnot und Angstgefühl. Das Flimmern kann aber auch unbemerkt bleiben.

Diagnostik und Therapie
Vorhofflimmern ist zwar nicht unmittelbar lebensbedrohlich, kann aber gefährliche Folgen haben: Betroffene Patienten haben ein erhöhtes Risiko für eine Embolie, da sich bei Vorhofflimmern Blutgerinnsel im Herzen bilden können. Wenn das Blutgerinnsel mit dem Blutstrom zum Gehirn gelangt und dort ein Gefäß verstopft, erleidet der Patient einen Schlaganfall.

Neben blutverdünnenden Medikamenten als Basistherapie spielt es eine große Rolle, die Symptome des Vorhofflimmerns zu beseitigen. Medikamente, die antiarrhythmisch – also gegen Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) – wirken, haben gelegentlich  Nebenwirkungen. Aus diesem Grund setzen wir vermehrt auf die Katheterablation.

Wenn Patienten die blutverdünnenden Medikamente nicht vertragen, kann es in Einzelfällen nötig sein, das linke Vorhofohr im Herzen mit einem kleinen Schirmchen zu verschließen. Das Schirmchen setzen wir über unter Ultraschall und Röntgensicht einen Katheter ein. Der Hintergrund: Im linken Vorhof bilden sich Blutgerinnsel am häufigsten. So soll das Schlaganfallrisiko verringert werden.

Chefarzt

Prof. Dr. med. Dirk Böcker

Prof. Dr. med. Dirk Böcker
Knappenstraße 19
59071 Hamm

02381/18-2301
02381/18-2302
dirk.boecker@marienhospital-hamm.de

Chefarzt

Prof. Dr. med. Klaus Pethig

Prof. Dr. med. Klaus Pethig
Knappenstraße 19
59071 Hamm

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02381/18-2602
klaus.pethig@marienhospital-hamm.de

Einen lebhaften Eindruck von unserer Arbeit bekommen Sie unter folgendem Link:

https://www.zdf.de/nachrichten/hallo-deutschland/stress-in-der-herzambulanz-100.html