Anästhesie und operative Intensivmedizin

Leitung: Chefarzt Dr. Klaus Anlage

Das Fach Anästhesie umfasst die Bereiche Narkose, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. Daher hat die Abteilung für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin vielfältige Aufgaben im St. Marien-Hospital: Ein Schwerpunkt dabei ist es, unsere Patienten vor Operationen genauestens aufzuklären, die Narkose durchzuführen und sie während und nach der Operation zu betreuen. Hinzu kommen die Leitung der operativen Intensivstation des Hauses, des ambulanten Operationszentrums am St. Marien-Hospital und die Versorgung von Schmerzpatienten – das betrifft sowohl Patienten mit akuten Schmerzen nach Operationen als auch Patienten mit chronischen Schmerzen. Zudem sind unsere Ärzte am Notarztdienst der Stadt Hamm beteiligt.

Dass Sie sich als Patient bei uns wohlfühlen und sich uns mit gutem Gewissen anvertrauen können – insbesondere bei einem so sensiblen Thema wie Narkose – ist uns ein großes Anliegen.

Unser Leistungsspektrum

Narkoseverfahren

Bei Ihnen oder einem Ihrer Angehörigen steht eine Operation an, für die eine Narkose notwendig ist. Wir wissen, dass dies Patienten Angst bereiten kann, aber wir können Ihnen versichern: Bei uns sind Sie gut aufgehoben. Wir kümmern uns darum, dass Sie den Eingriff sicher und ohne Schmerzen überstehen.

Im Vorfeld sprechen wir darum ausführlich mit Ihnen. Je nach Art der Operation ermitteln wir das optimale Narkoseverfahren und berücksichtigen dabei auch Ihre eventuellen Vorerkrankungen. Grundsätzlich unterscheiden wir die Regionalanästhesie und die Allgemeinanästhesie, die Vollnarkose. Unabhängig vom angewendeten Verfahren werden Sie während des Eingriffs genauestens überwacht.

  • Regionalanästhesie
    Bei einer Regionalanästhesie schalten wir den Schmerz nur an einer Stelle aus oder betäuben eine Region wie den Rücken, damit das Bein mit einschläft. Wenn beispielsweise die Schulter oder der Arm operiert werden soll, betäuben wir den Arm in der Achselhöhle oder am Hals. Daneben gibt es viele weitere Möglichkeiten, einzelne Nervenbahnen in den Körperregionen vorübergehend zu blockieren. Zu den Regionalanästhesien gehören etwa die rückenmarknahe Spinal- und die Peridualanästhesie (SPA und PDA). Der Patient ist während des Eingriffs wach, kann aber auf Wunsch in eine Art Dämmerschlaf versetzt werden.
  • Vollnarkose (Allgemeinanästhesie)
    Bei einer Vollnarkose ist der Patient im Tiefschlaf und verspürt keine Schmerzen. Nur so sind viele Operationen überhaupt möglich. Die nötigen Medikamente verabreichen wir als Narkosegas oder über eine Vene. Währenddessen muss der Patient immer künstlich beatmet werden. Dafür können wir auf unterschiedliche Methoden zurückgreifen, zum Beispiel auf einen Beatmungsschlauch (Tubus), der durch die Stimmbänder in die Luftröhre eingeführt wird. Weiterhin gibt es zur Beatmung auch Kehlkopf- und Gesichtsmasken.
  • Kombination der Narkoseverfahren
    Regionalanästhesie und Allgemeinanästhesie bei einer Operation gemeinsam einzusetzen, wird zunehmend wichtiger. Die Regionalanästhesie dient dazu, dass der Patient in den ersten Stunden nach der Operation schmerzfrei ist. Gleichzeitig wird eine Allgemeinanästhesie verabreicht, damit etwa der Atemrhythmus gesteuert werden kann: Der Patient kann so die Luft anhalten, falls im Atemstillstand ein Röntgenbild erzeugt werden soll. Das ist in der Gefäßchirurgie wichtig, wenn Stents implantiert werden. Die Kombination beider Verfahren setzen wir typischerweise bei allen Varianten von Schulteroperationen, beim Einbringen von Knieprothesen und bei Fuß-Operationen ein. Vorteile: Während der Operation müssen weniger Narkosemitteln eingesetzt werden und der Patient ist danach schneller wieder wach und orientiert. Auch der Anteil an Schmerzmitteln nach dem Eingriff ist geringer.
Sicherheit im Operationssaal

Zur Sicherheit unserer Patienten arbeiten wir nach standardisierten OP-Checklisten. Mithilfe dieser Listen wollen wir mögliche Fehlerquellen von vornherein ausschließen. Es werden viele verschiedene Punkte abgefragt: Bevor der Patient überhaupt in den Operationssaal kommt, wird beispielsweise geklärt, ob es sich überhaupt um die richtige Person handelt, was operiert werden soll und ob die entsprechende Stelle markiert wurde. Auch der Operateur muss vorab einiges überprüfen, etwa, ob das Equipment vollständig ist und er Zugriff auf die Röntgenbilder hat. Weitere Fragen: Liegen die anästhesiologische und die chirurgische Patienteneinwilligung vor? Ist das OP-Besteck steril?

Im Anschluss an die Operation wird gemeinsam besprochen, wie es mit dem Patienten weitergeht und ob zum Beispiel ein besonderer Thromboseschutz notwendig ist. Das OP-Personal muss außerdem bestätigen, dass alle Instrumente vollzählig sind. Erst dann wird der Patient aus dem OP-Saal entlassen. Darüber hinaus tragen unsere Patienten alle ein Identifikationsband am Arm, auf denen ihr Name und ihr Geburtsdatum verzeichnet sind. Dies hilft uns auch bei älteren oder dementen Patienten.

Nachwirkungen der Narkose

Patienten fürchten sich besonders vor Übelkeit und Erbrechen nach einer Vollnarkose. Hier können wir Sie beruhigen: Alle Patienten erhalten bei der Einleitung der Narkose ein Kortisonpräparat und in der Ausleitungsphase ein Mittel gegen Übelkeit. Seitdem wir derart vorgehen, sind diese Beschwerden sehr selten geworden. Zudem wärmen wir unsere Patienten während der Operation und achten darauf, dass ihre Körpertemperatur immer über 36 Grad bleibt. Der Vorteil: Es treten weniger Wundheilungsstörungen auf und die Patienten fühlen sich subjektiv wohler, wenn sie wieder aufwachen.

Generell haben sich auch die Narkosemittel deutlich verbessert. Im Gegensatz zu früher ist die Aufwachphase heute unabhängig von der Dauer des Eingriffs: Die Narkosegase sind so steuerbar, dass der Patient am Ende der Operation erwacht. Sogenannte Überhänge können durch Schmerzmittel auftreten, die ein Patient eventuell benötigt. Hier können wir jedoch durch eine Kombination  von Regionalanästhesie und Allgemeinanästhesie teilweise gegensteuern. Weiterhin haben wir ein Konzept entwickelt, nach dem unsere Unfallchirurgen am Ende eines Eingriffs ein Schmerzmittel unter die Operationswunde spritzen: Wenn der Patient wach wird, spürt er keinen Wundschmerz in dem Bereich, in dem der Hautschnitt war.

Insbesondere ältere Menschen haben Angst, nach einer Vollnarkose verwirrt zu sein. Damit es nicht dazu kommt, haben wir vieles im Blick: Unter anderem halten wir die Patienten während des Eingriffs warm und achten darauf, dass ihr Blutdruck nicht zu stark abfällt. Wo es möglich ist, bieten wir älteren Patienten auf Wunsch auch die Regionalanästhesie als alleiniges Verfahren an. Viele ziehen dennoch eine Vollnarkose vor.

Visite der Anästhesisten

Nach der Operation ist die Betreuung durch uns Anästhesisten noch nicht zu Ende. Wir machen postoperative Visiten, das heißt: Wir besuchen jeden Patienten nach der Operation auf seinem Zimmer. Dabei erkundigen wir uns, ob er sich bei uns wohlgefühlt hat, und ob er mit der Narkose zufrieden war. Zudem erfragen wir, ob er Probleme mit Schmerzen, Übelkeit oder Erbrechen hatte und ob er Wasser lassen konnte. Wir wollen unsere Patienten rundum gut betreuen, daher ist uns dieses Nachgespräch besonders wichtig.

Intensivmedizin

In bestimmten Fällen müssen wir unsere Patienten enger überwachen und betreuen. Dann werden sie auf unsere elf Betten umfassende operative Intensivstation verlegt. Wenn nötig, können wir hier nicht nur alle wichtigen Körper- und Organfunktionen lückenlos überwachen. Es ist auch möglich, einige Organfunktionen vorübergehend maschinell zu unterstützen oder für einen begrenzten Zeitraum ganz zu übernehmen. So können wir unsere Patienten zum Beispiel künstlich beatmen.

Zu uns kommen Patienten, die

  • eine große Operation hinter sich haben und nun stabilisiert werden müssen.
  • operiert werden sollen, deren körperlicher Zustand einen Eingriff aber noch nicht zulässt.
  • einen Verkehrsunfall hatten und nun überwacht werden müssen, ob mit oder ohne vorangegangene Operation.


Ergänzend stellen wir unseren Gefäßmedizinern, den Angiologen, zwei Betten auf unserer Intensivstation zur Verfügung und versorgen auch die angiologischen Patienten.

Behandlungsschema

  • Als Anästhesisten ist es unsere Aufgabe, Patienten vor ihrem Eingriff gründlich aufzuklären, die Narkose durchzuführen und sie danach entsprechend weiterzuversorgen, entweder im Aufwachraum oder auf der operativen Intensivstation.
  • Wir bieten alle modernen intensivmedizinischen Verfahren an, darunter fallen neben die Beatmung und die detaillierte Überwachung auch die Schmerztherapie und künstliche Ernährung. Eine Besonderheit sind unsere eigenen Nierenersatzverfahren und die maschinelle Autotransfusion – ein Verfahren, mit dessen Hilfe wir Patienten das bei der Operation verlorene Blut wieder zurückgeben können.
  • Wir Anästhesisten leiten die operative Intensivstation, aber behandeln jeden Patienten in der Regel gemeinsam mit der Abteilung, die für die Grunderkrankung zuständig ist. So kümmern sich beispielsweise ein Gefäßchirurg und ein Anästhesist um die gefäßchirurgischen Patienten. Die operierenden Kollegen wechseln bei ihren jeweiligen Patienten auch immer selbst die Verbände und entscheiden etwa, ob die Wunde gut verheilt oder ob sich der Patient eventuell einem weiteren Eingriff unterziehen muss.
Eigene Nierenersatzverfahren

Im St. Marien-Hospital führen wir auf der anästhesiologisch geleiteten operativen Intensivstation alle Nierenersatzverfahren von der Hämofiltration bis zur Hämodiafiltration (Verfahren, um das Blut zu reinigen) selbst durch: Da wir die Ausstattung und fachliche Kompetenz haben, müssen wir dafür im Gegensatz zu anderen Kliniken keinen niedergelassenen Nierenfacharzt ins Haus kommen lassen. Wenn es den Patienten besser geht, übernimmt natürlich wieder der niedergelassene Kollege.

Maschinelle Autotransfusion

Wir bieten bei manchen Operationen ein spezielles Verfahren an, mit dem wir – bei einem zu erwartenden Blutverlust – das verlorene Blut eines Patienten auffangen und ihm später wieder zurückgeben können. So müssen wir weniger auf Fremdblut zurückgreifen. Das Verfahren heißt maschinelle Autotransfusion und kann beispielsweise bei Operationen an der Wirbelsäule eingesetzt werden.

Schmerztherapie

Nach einer Operation können Schmerzen auftreten. Diese akuten Schmerzen zu lindern und unseren Patienten nachhaltig zu helfen, liegt uns sehr am Herzen. Neben der herkömmlichen medikamentösen Schmerztherapie mit Spritzen, Tropfen oder Tabletten bieten wir im St. Marien-Hospital eine wirksame Alternative an. Welches Verfahren im Einzelfall infrage kommt, klären wir im Anästhesiegespräch vor der Operation.

  • Bei Eingriffen, bei denen wir im Anschluss mit stärkeren Schmerzen rechnen, legen wir unseren Patienten einen Schmerzkatheter. Über den Katheter können wir Schmerzmittel spritzen, um die Operationswunde zu betäuben.
  • Manche Katheter können wir auch mit einer mobilen Schmerzpumpe verknüpfen, die dann regelmäßig Schmerzmittel über den Katheter abgibt. Der Patient kann zusätzlich bei Bedarf selbst noch Injektionen auslösen.
  • Wenn ein Schmerzkatheterverfahren nicht möglich ist oder der Patient dies nicht möchte, besteht die Möglichkeit, über eine Pumpe Schmerzmittel in eine Vene zu spritzen. Hierbei kann der Patient den Zeitpunkt selbst bestimmen: Er drückt einen Knopf und die von uns programmierte Pumpe gibt die benötigte Menge Schmerzmittel in die Vene ab.
  • Darüber hinaus behandeln wir in einem fachübergreifenden Team auch Patienten mit chronischen Schmerzen. Für die Betroffenen kann eine uni- oder multimodale Schmerztherapie infrage kommen.
Palliativmedizin

Die palliative Behandlungsform richtet sich an Patienten, die nur noch eine begrenzte Zeit zu leben haben. Mit verschiedenen Maßnahmen versuchen wir Ärzte dann, die Symptome des Patienten zu lindern und ihm damit mehr Lebensqualität zu verschaffen. Obwohl unser Haus keine ausgewiesene palliativmedizinische Station hat, treten dennoch häufig Fragen auf, die in diesen Bereich fallen – etwa auf unserer Intensivstation. Mit drei Palliativmedizinern in unserer Abteilung verfügen wir über die Kompetenz, Patienten entsprechend zu beraten und zu behandeln, beispielsweise bei Schmerzen, Luftnot oder Magen-Darm-Problemen. Bei Fragen sind wir für unsere Patienten und selbstverständlich auch für Angehörige immer ansprechbar.

Notarztdienst der Stadt Hamm

Unsere Abteilung für Anästhesie und operative Intensivmedizin führt den Notarztdienst der Stadt Hamm aus – und zwar im wöchentlichen Wechsel mit dem Evangelischen Krankenhaus.

  • Der Notarzt ist täglich rund um die Uhr verfügbar und benötigt mit seinem Einsatzfahrzeug circa sieben bis zehn Minuten zum Unfallort.
  • Durchschnittlich fährt der Notarzt in einer 24-Stunden-Schicht etwa acht Einsätze.
  • Die meisten Einsätze betreffen Patienten mit akuten Erkrankungen wie Herzinfarkt, Asthma oder Schlagfall. Häufig sind auch schwere Verletzungen nach Unfällen.

Sie erreichen den Notarzt über die Feuerwehr unter der Telefonnummer 112.

Unser Chefarzt Dr. Klaus Anlage ist der Notarztbeauftragte im St. Marien-Hospital. Er stellt sicher, dass der Notarztdienst stets besetzt ist: Tagsüber an den Werktagen übernimmt immer ein Anästhesist den Dienst. Die Schichten an den Nachmittagen, in der Nacht und am Wochenende teilt sich ein Team aus Anästhesisten, Chirurgen und Fachärzten für Innere Medizin.

Chefarzt Dr. Anlage und Oberarzt Dr. Grimm sitzen zudem im Team der leitenden Notärzte der Stadt Hamm. Die Rufbereitschaft dafür wechselt jede Woche. Der Leitende Notarzt wird in sogenannten Großschadenslagen verständigt: Das bedeutet, es gibt mehr als drei Verletzte bei Verkehrsunfällen oder besonderen Situationen wie einem Chemieunfall. Dem Leitenden Notarzt obliegt dann die Koordination der Rettungskräfte.

Reanimations- und Schockraum-Training

Wir legen größten Wert darauf, unsere Patienten immer gut zu versorgen – auch wenn plötzlich ein Notfall eintritt und Zeit eine Rolle spielt.

Um uns bestmöglich auf solche Situationen vorzubereiten, trainieren wir standardisierte Abläufe und Handgriffe. So bieten wir Anästhesisten interne Reanimationskurse an, in denen Ärzte und Pflegepersonal lernen, wie sie Patienten wiederbeleben können.

Da wir am St. Marien-Hospital das regionale Traumazentrum haben, fährt der Rettungsdienst alle Unfallpatienten zu uns. Wenn der Patient ankommt, läuft die Zeit. Aus diesem Grund trainieren wir mit unseren Kollegen auch regelmäßig die Abläufe im Schockraum. Das ist der Raum, in den Notfallpatienten mit dem Krankenwagen gebracht werden.

Unser Motto ist hier: Wir müssen professionell und schnell handeln – und das fängt schon bei der Übergabe des Notarztes an. Wir haben ein Konzept erarbeitet, nach dem alle Teammitglieder wissen, was sie tun müssen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt oder etwas versäumt wird. Die Vorgehensweise, nach der wir die Patienten im Schockraum übernehmen, findet sehr viel Zuspruch seitens der Rettungskräfte und der Feuerwehr.

Chefarzt

Dr. med. Klaus Anlage

Dr. med. Klaus Anlage
Nassauerstraße 13-19
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