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WALANT- Methode eingeführt

Schmerzfreie Hand-OP ohne klassische Narkose

Operative Eingriffe sind immer mit Narkosen verbunden – das ist bislang unwidersprochene Wahrheit. Am St. Marien-Hospital in Hamm ist es jetzt möglich, bestimmte Operationen an der Hand mit einer neuen Form der örtlichen Betäubung
durchzuführen. WALANT heißt das Verfahren, Wide Awake Local Anesthesia, No Tourniquet – also eine örtliche Betäubung am wachen Patienten ohne Blutsperre am Oberarm. „Die Patienten gehen unmittelbar nach der OP wieder nach Hause“, sagt Dr. med. Timm Schmidt-Mertens, Oberarzt am St. Marien-Hospital. So wie Sabrina Brügmann: Sie litt am Karpaltunnel-Syndrom und wurde eben operiert. Sie wackelt fröhlich mit den Fingern der bandagierten linken Hand.


Eigentlich läge sie nach einer kurzen Narkose jetzt im Aufwachraum und müsste den ganzen Tag lang noch etwas im Auge behalten werden. Während der OP hätte sie eine eng aufgepumpte Manschette am Oberarm gehabt, um den Blutzufluss in den Arm zu verhindern. „Mit der WALANT-Methode erhält man ideale Bedingungen, denn das direkt vor Ort in Kombination mit einem Betäubungsmittel eingesetzte Adrenalin verengt die Gefäße“, sagt Dr. Schmidt-Mertens. „Jeder weiß, dass schon kleine Schnitte an der Hand stark bluten. WALANT garantiert gute Sicht auf die feinen Strukturen der Hand.“ Zudem kann der Patient die betäubte Hand ohne Schmerz problemlos bewegen. „Bei Operationen an Sehnen ist das sehr hilfreich, denn man kann noch während der OP kontrollieren, ob der Eingriff erfolgreich war und der Patient die Finger wieder beugen und strecken kann.“ Und die Patientin? „Ich fand es prima. Erst hat mir Dr. Schmidt-Mertens das Medikament unter Ultraschallkontrolle punktgenau injiziert. Dann haben wir 30 Minuten gewartet, das hat nur etwas gekribbelt. Und dann sind wir rüber in den OP gegangen.“ Von der OP hat sie nichts gefühlt, konnte aber die Finger bewegen. Schon während des Eingriffs klärten sie und der Arzt die Weiterbehandlung der operierten Hand. Die schmerzstillende Wirkung des Medikaments hält eine ganze Weile über die Operation hinaus an, weitere Schmerzmittel sind selten nötig. „Nur den allerersten Piekser habe ich etwas gespürt, die danach nicht mehr“, berichtet Sabrina Brügmann. Ihr Oberarm war ganz normal durchblutet, die Operation verlief für sie angenehm.


WALANT kommt aus Kanada und wird in Deutschland unter anderem an der Technischen Universität München angewandt. Hier und in Südengland, wo einer der Erfinder der Methode praktiziert, hat Dr. Schmidt-Mertens die Methode erlernt. „WALANT eignet sich besonders, wenn zum Beispiel ältere Menschen wegen des Narkoserisikos sonst auf die Operation verzichten müssten. Hier ist die WALANT-Methode so schonend, dass man die Lebensqualität der Patienten wirklich erhöhen kann.“ Dr. Schmidt-Mertens freut sich, das neue Verfahren an geeigneter Stelle alternativ zu gewohnten
Betäubungsmethoden anwenden zu können. „Das ist eine gute Ergänzung zu den ohnehin immer risikoärmer werdenden Narkosen. Wir entscheiden immer kollegial und interdisziplinär in Abstimmung auch mit dem Hausarzt und dem Patienten, welche Methode am Sinnvollsten ist.“

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