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St. Marien-Hospital spendet OP-Material

St. Marien-Hospital spendet OP-Material an Hammer Forum
Instrumente & Implantate für Zentralafrika

Implantate, wie sie für Operationen an Schultern, Füßen oder Händen gebraucht werden, und die für ihre Verwendung notwendigen Spezialwerkzeuge sind langlebig: Platten und Schrauben aus Titan beispielsweise, gut zu sterilisieren und quasi „unkaputtbar“. Dennoch sind sie einem Wandel unterworfen: „Ab 2020 wird es in Deutschland Pflicht, dass alle bei einer Operation verwendeten Implantate originalverpackt und schon steril ab Werk bei uns ankommen, da sie individuell rückverfolgbar und in einem Implantat-Ausweis eingetragen sein müssen“, erklärt Cornelia Plutz, die im St. Marien-Hospital Hamm die Aufbereitung für Medizinprodukte leitet. Die neue Gesetzgebung soll im St. Marien-Hospital Hamm sofort Anwendung finden, da durch sie die Gewährleistung für die Patienten eindeutiger geregelt ist. Übrig bleiben die bislang verwendeten so genannten OP-Siebe, also die gängigen Zusammenstellungen von Materialien, wie sie üblicherweise für eine bestimmte OP benötigt werden. Mit denen kann noch vielen Menschen geholfen werden, daher spendet das St. Marien-Hospital sie der lokalen Hilfsorganisation „Hammer Forum“.

Sabine Huwe, Projektkoordinatorin beim Hammer Forum, freut sich: „Man kann sich hier nicht vorstellen, unter welchen Bedingungen in Guinea - Bissau oder der Demokratischen Republik Kongo operiert werden muss“, sagt sie. In Guinea läuft zurzeit die Cashew-Ernte – das halbrunde Nüsschen ist eine Haupteinnahmequelle des Landes. „Immer wieder kommt es vor, dass Menschen bei der Ernte aus dem Baum fallen – ganz oft Kinder“, berichtet sie. Knochenbrüche werden dann mit viel gutem Willen und ungeeignetem Material geschient – ein Brettchen, ein Stock, ein festes Palmblatt. „Wir sind deshalb mit Teams aus Ärzten und Pflegekräften unterwegs, um dort  zu operieren.“ Das Hammer Forum finanziert sich aus Sach- und Geldspenden. Die nach europäischen Standards ausgebildeten Fachleute, meist aus Deutschland, reisen als multiprofessionelle Teams an die Brennpunkte, führen die Operationen durch und schulen auch vor Ort.

Das vom St. Marien-Hospital gespendete Material ist „ein Segen“, so Sabine Huwe. Sie bekommt nicht zum ersten Mal Material von dort: „Angefangen hat es mit ein paar so genannten Spickdrähten“, die Knochensplitter und Implantate zur Heilung zusammenhalten. Die Spende jetzt umfasst sechs Siebe mit Werkzeug, Schrauben und Implantaten aus Titan sowie einen Karton weiterer Titan-Implantate zum Nachfüllen – für Nicht-Mediziner sieht das wie ein Metallbaukasten aus. „Alles ist komplett einwandfrei, könnte ohne Probleme auch hier in Deutschland noch jederzeit wieder sterilisiert und verwendet werden.“ Die veränderte Rechtslage macht es jedoch ab 2020 unmöglich. „Andere Krankenhäuser werfen dieses Material weg, aufgrund unseres konfessionellen Denkens haben wir nach einer anderen Lösung gesucht“, sagt Pflegedirektorin Gabriele Kösters. Denn verkaufen darf man die Implantate nicht, auch nicht ins Ausland. Spenden jedoch darf man, wenn die Spende im Empfängerland nicht den Markt beeinträchtigt. „Darauf achten wir“, sagt Frank Schlichting, der für die Logistik beim Hammer Forum zuständig ist. Guinea-Bissau zählt zu den am geringsten entwickelten Ländern der Welt – kein Markt für Medizinprodukte.

Bedarf jedoch besteht: Aktuell fehlt beispielsweise ein Einfüllstutzen für ein Anästhesiegerät, wie es in Deutschland nicht mehr verwendet wird. „Habt ihr noch so was?“ fragt Frank Schlichting.

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