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Neue Gamma-Kamera für Nuklearmedizin

Farbige Einblicke in Herz und Hirn


Für das neue Gerät musste sogar eine Geschossdecke verstärkt werden: Die Gammakamera des Nuklearmedizinischen Versorgungszentrums (NUK MVZ) im St. Marien-Hospital hat neben ihrer enormen Leistungsfähigkeit eben auch ein enormes Gewicht von 3,5 t.


Seit 2003 tat ein Vorgängermodell mit 2,2 t Gewicht seinen Dienst in der Nuklearmedizin. Es funktioniert zwar noch, die Bildqualität und Auflösung der technisch neuesten Kamerageneration sind jedoch so viel besser, dass ein Austausch an der Zeit war. „Außerdem ist die neue Kamera auch sehr viel schneller als die alte“, ergänzt Dr. Berthold Piotrowski, Chefarzt der Nuklearmedizin im St. Marien-Hospital. Eine Myocard-Szintigraphie, also die Untersuchung des Herzens mit radioaktiven Isotopen, dauert nur noch sechs statt zuvor 22 Minuten. „Herzpatienten müssen während der Untersuchung mit hinter dem Kopf verschränkten Armen liegen – das ist für herzkranke Menschen eine anstrengende Haltung“, erläutert die MTA Silke Schröer. Sie und das Team untersuchen etwa 4500 Patienten an zwei Kameras im Jahr auf Entzündungen, inaktive Gewebestrukturen oder Tumoren.   


Bei der Szintigraphie werden den Patienten kurzlebige radioaktiv markierte Teilchen (Radionuklide) injiziert. Die Teilchen reichern sich in bestimmten Gewebestrukturen an und senden Gamma-Strahlung aus. Die Gammakamera nimmt wie ein Scanner die Strahlung auf und macht das Gewebe sichtbar. Je nach Intensität der Strahlung wird die Körperregion farbig dargestellt, blau für geringe und rot für hohe Intensität. So kann das Organ abgebildet und in seiner Aktivität eingeschätzt werden. Das Verfahren wird im St. Marien-Hospital vor allem für Herz- und Schilddrüsenerkrankungen eingesetzt. „Außerdem kann die Durchblutung des Gehirns etwa bei Parkinson oder Demenz eingeschätzt werden, Lungenembolien werden sichtbar und Metastasen am Skelett werden lokalisiert“, sagt die Leitende MTA der Nuklearmedizin Gisela Volkmer. Zur Untersuchung kommen sowohl Patienten des St. Marien-Hospitals als auch Patienten jeden Alters, die von Fachärzten an das MVZ überwiesen werden.


Das neue Gerät ist auch deshalb schneller, weil es viele Tätigkeiten automatisch erledigt. Abhängig von der Untersuchung müssen die Kollimatoren, die den Strahlengang ausrichten, vor den Messköpfen platziert werden. Bislang war dazu eine mechanische Roll-Hebe-Vorrichtung nötig, denn die Kollimatoren wiegen zwischen 150 und 450 Kilogramm. Jetzt werden sie vom Gerät selbst gewechselt – eine Erleichterung für das NUK-Team. Mehrere Tage lang werden die Kolleginnen und Kollegen in das neue Gerät eingewiesen, um alle Funktionen optimal abrufen zu können. Dann profitieren die Patienten von noch detailgetreueren Bildern, mit denen genaue Diagnosen getroffen werden können.   




Wo hier noch die Kollegin liegt, werden schon in dieser Woche Patienten untersucht: Das Team der Nuklearmedizin um Chefarzt Dr. Berthold Piotrowski (hinten rechts) wurde umfassend über die Möglichkeiten der neuen Kamera informiert.  

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