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Eduard Spranger-Berufskolleg kommt zur Unfallprävention

St. Marien-Hospital mit Projekt Happy Hands at work
Kollegschüler sollen auf Sicherheit achten

Einige Bilder, die Oberarzt Dr. Timm Schmidt-Mertens zeigt, tun selbst hartgesottenen Computerspiel-Kämpfern schon beim Ansehen weh. Die knapp 40 jungen Männer und Frauen werden zu KFZ-Mechatronikern oder im Bereich Holztechnik ausgebildet und besuchen das Eduard-Spranger-Berufskolleg. Das St. Marien-Hospital hat sie eingeladen, im Rahmen seines Unfall-Präventions-Projektes „Happy Hands at Work“ einen Vormittag von Fachleuten und Betroffenen Informationen über die Folgen eines Unfalles mit Handverletzungen zu erhalten. Schnell wird ihnen deutlich: Schon kleine Unfälle an der Hand haben erhebliche Folgen, an die man im Arbeitsalltag nicht denkt.

Handspezialist Dr. Schmidt-Mertens hat gute Gründe für das „Hand Accident Prevention Programme for your Hands at work“, wie HAPPY aufgeschlüsselt wird. „41 Prozent der Arbeitsunfälle betreffen laut einer Studie aus Österreich die  Hand, bei Jugendlichen sind es sogar die Hälfte der Arbeitsunfälle“, berichtet er. Dabei sind leichte Verletzungen durch  Messer und Cutter, Stichverletzungen und Schnitte an Blech und Glas, aber auch schwere wie Quetschungen durch Baumaterial oder der Schnitt mit der Kreissäge. Originalfotos zeigen das Ausmaß des Schadens: „Da hat man als Arzt schon mal eine ganze Nacht dran zu tun“ kommentiert er eine Verletzung, bei der alle Beugesehnen und Muskeln durchtrennt wurden. Und warum darf man auf der Arbeit keinen Ring tragen? „Weil es schwer zu behandeln ist, wenn Sie mit dem Ring hängen bleiben und der Ring ihnen den Weichteilmantel vom Finger streift.“ Ziel ist es, die jungen Menschen zur Umsicht aufzurufen: „Übernehmen Sie Verantwortung und nehmen Sie Gefahren rechtzeitig wahr!“

Der Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Hamm Dr. Bernhard Eßer macht den jungen Zuhörern klar: Egal ob Hand- oder sonstige Verletzung – jeder ist zur Hilfe verpflichtet: „ 70-100 Mal am Tag fahren unsere sechs Rettungswagen raus. Wir sind in 8-12 Minuten am Unfallort. Damit das klappt, fragen wir Sie immer als erstes: Wo genau ist der Verletzte?“ Doch 8 Minuten sind zu spät, wenn der Verletzte nicht mehr atmet. Dr. Eßer erklärt, dass nach dem Notruf die Erste Hilfe folgen muss: „Nicht ansprechbare Personen, die selbststätig atmen, in die stabile Seitenlage drehen. Um die Atmung zu testen: Den Kopf etwas in den Nacken überstrecken.“ Und wenn er nicht atmet: „Dann müssen Sie eine Herzdruckmassage beginnen, 100 Mal in der Minute auf die Mitte des Brustbeines drücken, 5 – 6 Zentimeter tief.“ Es ist hilfreich, dabei den Rhythmus von „Staying alive“ oder „I like to move it“ oder auch „Atemlos“ im Sinn  zu haben – das sind 100 Beats in der Minute. „Sie machen da nichts falsch!“ schärft Dr. Eßer ein. Die Überlebenschancen des Verletzten steigen dann von mageren 5 auf immerhin 40 Prozent.

Falls doch etwas passiert, können spezialisierte Handchirurgen viel retten – wenn der Patient bei der Nachbehandlung selbst mit aktiv wird. „Selbst eine gute Operation führt nicht zu einer funktionsfähigen Hand, wenn keine Physiotherapie folgt.“ Die Therapeutin Nora Gralki zeigt, wie durch Übungen und technische Hilfsmittel Schritt für Schritt die Kraft und Beweglichkeit der Hand wiederkommen und Verklebungen und unschöne Vernarbungen vermieden werden können. „Das bedeutet oft tägliche Physiotherapie mit Hausaufgaben!“ Nur so wird der Faustschluss um den Akkuschrauber wieder fest.

Die Schüler des Eduard-Spranger-Berufskollegs können bei einem Rundgang durch den Schock- und den Gipsraum einen Blick hinter die Kulissen eines Krankenhauses werfen. Mit am Ende sechs eingegipsten Händen wird deutlich: So ein Gips stört. Bei allem.

Wer gedacht hat, dass so ein Arbeitsunfall doch nur den weniger fitten und geschickten Kollegen geschieht, lernte dann mit Peter Greller den Gegenbeweis kennen: Der Polizist, athletisch und bestimmt, hat vor exakt einem Jahr durch eine Blechplatte einen Schnitt durch die Daumenbeuge bis auf den Knochen erlitten. „Das ist schlimm“, hat er sich sofort gedacht. Aus dem ersten Krankenhaus hat er sich selbst entlassen, denn die handchirurgisch unerfahrenen Ärzte richteten auf der Suche nach seiner durchtrennten Sehne weiteren Schaden an. Er ging zum St. Marien-Hospital und wurde in einer aufwendigen Operation von Dr. Schmidt-Mertens behandelt. Doch die bei der Rettung zerstörten Haut- und Weichteile mussten langwierig rekonstruiert werden. Heute kann er seinen Daumen wieder gut bewegen und „kommt prima klar: Es ist nicht die Schusshand!“ Er ist daher weiterhin bei der Polizei im Einsatz.

Auch die durchtrennten Hand-Sehnen vom Anfang der Veranstaltung sind zu einem guten Ende gekommen. Der Patient kann seine zuvor funktionslose Hand wieder tadellos bewegen und schickte dem St. Marien-Hospital einen Videoclip als Beweis. Der Clip ist hier anzuschauen. Das Projekt Happy Hands at work soll weitergeführt werden.

 

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